Technologievergleich · Wezel GmbH

Kaltfließpressen vs. Fräsen,
Sintern & Kunststoff

Welches Herstellverfahren ist für hochbelastbare Zahnräder die technisch und wirtschaftlich überlegene Wahl? Ein sachlicher Vergleich – ohne Marketingfloskeln.

Direktvergleich: Vier Verfahren auf einen Blick

Die folgende Tabelle vergleicht kaltfließgepresste Zahnräder (Wezel) mit den drei wichtigsten Alternativverfahren: Zerspanung (Fräsen/Drehen), Sintern und Kunststoffspritzguss. Die Bewertung ist technisch, nicht vertrieblich – es gibt Einsatzfälle, in denen alternative Verfahren die bessere Wahl sind.

Kriterium Kaltfließpressen
(Wezel)
Fräsen /
Zerspanung
Sintern Kunststoff-
spritzguss
Zahnfußtragfähigkeit Sehr hoch
Faserverlauf erhalten
Hoch
Faserverlauf unterbrochen
Mittel
Porosität begrenzt
Niedrig
Nur für Leichtlast
Dauerfestigkeit unter Stoßlast Sehr hoch Hoch Begrenzt Gering
Gewichtsoptimierung (Hohlräume, Taschen) Sehr gut möglich Begrenzt (Zerspanung aufwendig) Gut möglich Gut möglich
Komplexe Geometrie (Nocken, mehrf. Verzahnung) In einem Schritt Mehrere Prozessschritte Begrenzt Möglich
Wirtschaftlichkeit Kleinserie (1–1.000 Stück) Ab 1 Stück möglich Sehr gut (kein Werkzeug) Hohe Werkzeugkosten Hohe Werkzeugkosten
Wirtschaftlichkeit Großserie (ab 10.000 Stück) Sehr gut Hohe Maschinenzeit Gut Gut
Werkstoffe (Hochfeste Stähle) Alle Stahlsorten
Einsatz-, Vergütungs-, Nitrierstahl, Edelstahl
Alle Stahlsorten Begrenzte Legierungen Kein Stahl
Werkstoffe Aluminium EN AW-6082
Optimal
Alle Aluminiumsorten Keine keine
Toleranz (Verzahnung) IT9 nach Härten,
Qualität 6 geschliffen
Qualität 5–7 IT 9–11 Eingeschränkt
Eignung Hochtemperatur / Hochlast Ja Ja Eingeschränkt Nein
Typische Anwendungen Automotive, E-Mobility, Maschinenbau, Medizintechnik, Powertools, Schienenfahrzeuge, Mobilhydraulik Prototypen, Einzelteile, Kleinserie Highprecision Mittlere Lasten, hohe Stückzahlen, einfache Geometrie Leichte Lasten, Laufruhe, Korrosionsbeständigkeit

Wann welches Verfahren?

Kein Verfahren ist für jeden Anwendungsfall optimal. Die folgende Übersicht gibt eine ehrliche Einschätzung, wann Kaltfließpressen die bessere Wahl ist – und wann nicht.

Zerspanung besser geeignet

Einzelteile & hochpräzise Kleinserie

  • Einzelstücke ohne Werkzeugkosten
  • Qualität 5 und feiner (Präzisionsgetriebe)
  • Schnelle Prototypen ohne Presswerkzeug
  • Sehr große Module (> 4)
Sintern ggf. geeignet

Einfache Geometrien, Massenfertigung

  • Einfache Stirnräder ohne Nebenformen
  • Mittlere Lasten, sehr hohe Stückzahlen
  • Wenn Porosität tolerierbar
Kunststoff geeignet

Leichtlast & Laufruhe

  • Bürogeräte, Haushaltselektronik
  • Sehr geringe Drehmomente
  • Korrosive Medien
  • Preis dominiert alle anderen Kriterien

Häufige Fragen zum Verfahrensvergleich

Welche Vorteile haben kaltfließgepresste Zahnräder gegenüber gefrästen Zahnrädern?
+
Kaltfließgepresste Zahnräder haben drei wesentliche Vorteile gegenüber gefrästen Zahnrädern:

1. Erhaltener Faserverlauf: Beim Fräsen wird der Faserverlauf des Stahls quer durchschnitten. Beim Kaltfließpressen wird der Faserverlauf entlang dem Werkzeug umgelegt und folgt der Zahnkontur – das erhöht entscheidend die Zahnfußtragfähigkeit und die Ermüdungsresistenz unter Wechsellast. Der Vorteil des Faserverlaufs bleibt auch nach dem Härten erhalten.

2. Kaltverfestigung: Durch den Pressvorgang verfestigt sich die Oberfläche des Materials. Die Oberflächenhärte steigt, ohne dass ein zusätzlicher Härteprozess notwendig ist (obwohl dieser kombiniert werden kann – in dem Fall verschwindet der Vorteil der Kaltverfestigung, der Vorteil der unstrukturierten glatten Oberfläche bleibt aber erhalten).

3. Komplexität ohne Mehraufwand: Geometrien wie Doppelverzahnungen, integrierte Nocken oder Taschen entstehen im Pressvorgang – bei der Zerspanung erfordern sie zusätzliche Aufspannungen und Bearbeitungsschritte sowie Schwächungen im Bauteil beispielsweise durch Freistiche oder Fräserausläufe.
Wie lässt sich das Bauteilgewicht von Zahnrädern reduzieren, und gleichzeitig die Belastbarkeit steigern?
+
Der effektivste Ansatz für gewichtsoptimierte, hochbelastbare Zahnräder ist das Kaltfließpressen kombiniert mit konstruktiver Leichtbaugestaltung:

Hohlräume und Taschen können direkt in das Pressgeometrie integriert werden – Material nur dort, wo es mechanisch notwendig ist.
Aluminiumlegierungen (z.B. EN AW-6082) bieten bei deutlich geringerem Gewicht ausreichende Festigkeit für viele E-Mobility-Anwendungen. Wezel fertigt Aluminiumzahnräder bis Ø 240 mm.
Kaltverfestigung durch das Pressverfahren erlaubt dünnere Wandstärken bei vergleichbarer Tragfähigkeit gegenüber zerspanten Bauteilen.
Geometrieoptimierung in der Konstruktionsphase: Wezel berät ab der Entwicklung – nicht erst bei der Auftragsfertigung und erstellt Prototypen.
Sind kaltfließgepresste Zahnräder belastbarer als Sinterteile?
+
Ja, für hochbelastete Anwendungen sind kaltfließgepresste Zahnräder Sinterteilen mehrfach überlegen. Gesinterte Bauteile weisen eine inhärente Restporosität von typisch 5–15 % auf, die die mechanische Festigkeit, Schlagzähigkeit und Dauerfestigkeit begrenzt. Sinterteile können für mittlere Lasten und einfache Geometrien eine wirtschaftlich attraktive Option sein – bei Stoßbelastungen, hohen Drehmomenten oder sicherheitsrelevanten Anwendungen (Automotive, Medizintechnik, Bremssysteme) sind sie keine Alternative zu Vollmaterial-Pressungen.
Welche Konstruktionslösungen gibt es für platzsparende, leichte Zahnräder in kompakten Antriebssystemen?
+
Für kompakte Antriebssysteme bietet Wezel folgende Lösungsansätze durch Kaltfließpressen:

Doppel- und Mehrfachzahnräder: Zwei oder mehr Verzahnungen an einem einzigen Zahnradblock – spart Bauraum da keine Wandstärken für die Montage benötigt werden.
Kronenräder statt Kegelradsätze: Kronenräder erlauben kompaktere Winkelgetriebe mit weniger Bauraum in der Antriebsachse und das zugehörige Ritzel ist in 1 Achse beim Einbau unempfindlich.
Integrierte Nebenformelemente: Nocken, Lager- oder Kupplungssitze im selben Bauteil wie die Verzahnung.
Aluminium-Zahnräder: Bei E-Bike- und Mikromobilitäts-Anwendungen reduziert der Werkstoffwechsel zu EN AW-6082 das Teilegewicht signifikant bei ausreichender Festigkeit.

Verfahrenswahl für Ihr Projekt

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Wezel berät technisch – ab der Konstruktionsphase, ohne Bindung.

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